Geschichte der Central und Union Theater Ludwigsburg

Den Grundstein für das Central Theater legte der 1867 geborene Stuttgarter Filmpionier Wilhelm Nagel im Jahre 1913. Der ehemalige Schriftsetzer und Buchdrucker begann als Wanderkinobetreiber in Gaststätten mit den ersten Filmvorführungen. Er begründete die über
90-jährige Geschichte des Central Theaters.


Bereits 1907 gründete er in Esslingen das Ladenkino „Kinematograph National”, um dann Jahr für Jahr an weiteren Standorten neue Kinos entstehen zu lassen (Fellbach, Untertürkheim, Bad Cannstatt, Rottweil...). Am 02. August 1913 eröffnete Wilhelm Nagel das Central Theater in Ludwigsburg, welches als erstes repräsentatives Großkino in der Umgebung Stuttgarts die Aufmerksamkeit des damaligen Königs von Württemberg, König Wilhelm II, genoss. Das Eröffnungs-programm in Anwesenheit des Königs bestand aus einzelnen Kurzfilmen („Unsere gute Stadt Ludwigsburg/
Der Großvater/Lyonelly...”), die von einem Orchester begeleitet wurden.


Durch die vielen Standorte rund um Stuttgart übernahm ab dem 01. April 1916 seine Tochter Elise Nagel die Geschäftsführung des Central Theaters, die nach ihrer Hochzeit mit Eugen nun Elise Wollenschläger hieß.


Als im Jahre 1928 der Tonfilm eingeführt wurde, verschwand das Orchester oder die Klavierbegleitung aus dem Kino (Erster Tonfilm im Central:
„Dich hab ich geliebt”).


Im Alter von 72 Jahren verstarb Wilhelm Nagel im Jahre 1939.


Im Oktober 1941 wurde der erste Farbfilm gezeigt („Frauen sind doch bessere Diplomaten”).


Aufgrund der Kriegseinwirkungen öffnete sich der Vorhang im Central Theater ein letztes Mal im Februar 1945 („Neigungsehe”). In den folgenden vier Jahren befand sich das Große Haus unter der Kontrolle der Besatzungs-macht, die amerikanische Filme für die amerikanischen Soldaten zeigten.


Durch die ungewisse Nachkriegssituation des Central Theaters entschlossen sich das Ehepaar Wollenschläger, das Grundstück in der Solitudestraße zu pachten, um dort ein Kino zu bauen – das Union Theater. Die Eröffnung fand im Oktober 1951 statt („Verklungenes Wien”).


Im Juli 1955 wurde der erste Film in CINEMASCOPE gezeigt („Die weiße Feder”).


Nach dem Tode von Elise Wollenschläger (1959) übernahmen Ihr Mann Eugen und Ihr Sohn Hasso die Geschäfte der nunmehr zwei Kinos. Im Jahre 1968 wurde das Gebäude in der Arsenalstraße abgerissen und ein neuer Bürokomplex erschaffen, welcher im 2. Untergeschoss ein weiteres Kino (Kleines Haus) beherbergt („Liebesfahrt nach Rheinsberg”).


Im Jahre 1975 wurde der erste Film mit dem Tonverfahren „SENSURROUND” gezeigt (Erdbeben).


Nach dem Tode von Eugen Wollenschläger (1975) übernahm der Sohn Hasso in nunmehr dritter Generation alleinig die Geschäfte der drei Kinos Central & Union Theater.


Im Jahre 1979 wurde im Central Theater ein weiteres Kino gebaut – Das Filmstudio („Manhattan”). Pünktlich zum Start von „Star Trek – Der Film” hielt ein neues Soundsystem Einzug in die Kinos: der „DOLBY A -
Stereo Ton”.


Durch die Teilung des über 600 Plätze-Saales im Union Theater entstanden im Jahre 1981 zwei Kinos: die heutigen Union Theater Kino 1 und Kino 2. Somit gehören nunmehr 5 Leinwände zu der Firma Central & Union Theater.


Ein deutlich hörbarer Schritt zu mehr Tonqualität wurde in Ludwigsburg im Jahre 1989 eingebaut: das 4-Kanal Stereo-Tonsystem von „DOLBY SR (Spectral Recording)”. Dabei werden die Tonsignale der seitlich angebrach-ten Lautsprecher von Vorne nach Hinten zeitlich verzögert, um so z.B. einen Hubschrauberüberflug oder ein ähnliches Geräusch realistisch zu simulieren. Der erste Film, der in Ludwigsburg mit diesem Verfahren gezeigt wurde, war „James Bond 007 – Lizenz zum Töten”.


Im Jahre 1992 trat dann die vierte Generation der Familie Nagel-Wollenschläger in die Geschäftsführung ein: Claus Wollenschläger.
Sogleich wurden Computerkassen mit Sitzplatzreservierung eingeführt.


Die beiden letzten Tonverfahren wurden im Jahre 1995 und 1997 eingebaut: Der Digitalton. Hierbei wird der Ton entweder digital von der Filmkopie abgelesen (DOLBY Digital) oder mit einer separaten CD-Rom parallel abgespielt (DTS-Digital).


Im Jahre 1999 eröffnete das Bistro C4 im Central Theater, welches im Jahre 2003 in eine Süßwarentheke mit erweitertem Sortiment umgewandelt wurde.

 

Am 16.12.2009 fand die erste Digitale Projektion in 3D im Central Theater Großes Haus statt. Das neue Verfahren bietet durch eine professionelle Brille das Sehen von dreidimensionalen Bildern auf der Leinwand ("Avatar - Aufbruch nach Pandora").


Zum ersten Mal wird ein Fußballspiel live in 3D gezeigt: WM 2010 in Südafrika mit der Partie Ghana - Deutschland.


Ab Juli 2010 verfügt das Union Theater Kino 1 über eine neue Lüftungsanlage mit Vollklimatisierung.


Am 13.08.2010 findet die erste digitale Vorführung in 3D im Union Theater Kino 1 statt.


Das erste Popkonzert live in 3D wird am 28.09.2010 mit den FANTASTISCHEN VIER aus Halle/Saale gefeiert.


Die erste Live-Oper aus der MET in New York in FullHD wird am 09.10.2010 gezeigt: Das Rheingold von Richard Wagner!


 

Ausblick:


Nach dem Scheitern der bundesweiten Branchenlösung zur Umrüstung aller Leinwände auf Digitale Projektion ist es weiterhin ungewiss, wann auch die anderen drei Leinwände umgerüstet werden.

Das Hauptproblem stellt hier die Finanzierung dar. Die Kosten belaufen sich pro Leinwand auf ca. 70.000,- EURO (für 3D über 100.000,-) - ein nicht selbst zu finanzierender Betrag. Hier ist ausschließlich ein Leasingmodell rentabel, welches bislang noch nicht abgesichert ist, denn der Hauptteil der Leasingkosten müssen die Nutznieser der digitalen Projektion finanzieren - die Filmverleihfirmen in Deutschland.

Doch ist dies nur eine Frage der Zeit.


Kino ist das Größte.

Eröffnung des Central Theaters am 02. August 1913 in Anwesenheit von Württembergs König Wilhelm II.
Zeitungsanzeige aus der LKZ von 1920
Saalansicht von 1920: Die Stuckdecke ist heute noch erhalten.
Firmengründer Wilhelm Nagel mit seiner Frau Elise 1935.
Ansicht des Central Theaters um 1940 mit dem damaligen Vorderhaus, welches eine Gaststätte beherbergte.
Die zweite und dritte Generation der Familie Wollenschläger von links nach rechts: Hasso, Elise und Eugen Wollenschläger

Ansicht des Union Theaters mit über 600 Sitzplätzen.
Die geladenen Gäste bei der Eröffnung.